Demographischer Wandel: ''Eine Zeitbombe, die immer schneller tickt''
FDP-Bezirksfachausschuß "Gesundheit und Soziales" tagte in Deggendorf
DEGGENDORF. Die zunehmend älter werdende Bevölkerung in Deutschland ist nach Ansicht der niederbayerischen Liberalen eine Zeitbombe für das Sozial- und Gesundheitssystem, die immer schneller tickt. "Wir brauchen den Mut zu unpopulären Reformen", fordert Dr. Gerald Knaus (Plattling), Vorsitzender des FDP-Bezirksfachausschusses "Gesundheit und Soziales". Der Ausschuss tagte in der FDP-Geschäftsstelle Deggendorf.
Im deutschen Gesundheits- und Sozialsystem droht laut Dr. Gerald Knaus durch den demographischen Wandel eine Finanzierungslücke. Durch die zunehmende Überalterung der deutschen Bevölkerung stehe einer explosionsartig anwachsenden Zahl von Leistungsempfängern eine immer geringer werdende Zahl von Bürgern im arbeitsfähigen Alter gegenüber.
Eine ehrliche politische Diskussion zu diesem Thema werde derzeit von fast allen Parteien ausgeklammert, so Knaus. Das gehe schon bei der Titulierung des Themas los: Statt des verständlichen, aber politisch inkorrekten Wortes "Überalterung" versuche man eine verschleiernde Umschreibung als "demographischer Wandel".
Mit dem Totschlagargument der "sozialen Kälte" werde aus wahlpolitischem Kalkül einer sachlichen, zukunftsorientierten Diskussion aus dem Wege gegangen.
Statt dem Problem ehrlich in die Augen zu sehen, mache man der Bevölkerung lieber wohlklingende Versprechen zur Rentensicherheit. Und dabei seien die offiziellen
Prognosen zu künftigen Ausgaben und Einnahmen der Sozialsysteme noch äußerst optimistisch. "Griechenland ist überall", so Knaus. Es sei illusorisch zu glauben, dass dem deutschen Sozialsystem jemals Hilfe aus dem Ausland zuteil werde.
Sozialverträglich mehr Eigenverantwortung
Die Eigenverantwortung der Versicherten und die Inanspruchnahme solidarisch finanzierter Leistungen müßten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinanderstehen. Große Risiken müßten selbstverständlich umfassend abgesichert sein. Aber die Versicherten trügen auch eine Verantwortung für die Solidargemeinschaft, die durch eine
zunehmende Vollkasko- und Anspruchsmentalität ins Hintertreffen gerate. Wenn der
deutsche im Schnitt pro Jahr neunzehnmal zum Arzt gehe, der Norweger hingegen nur dreimal bei statistisch aber höherer Lebenserwartung, so müsse die berechtigte Frage
nach falschen Anreizen für Ärzte als auch Patienten im deutschen System gestellt werden.
